Wer in Flip-Flops auftaucht und einen gemütlichen Spaziergang um den Kratersee erwartet, versinkt schnell knietief im Schlamm und verliert sich auf ungepflegten Pfaden. Um den Grand Etang Nationalpark sicher zu erkunden, muss man genau wissen, welche Wanderwege zum eigenen Ausrüstungsstand passen – und wie man mit der berüchtigten, opportunistischen Tierwelt umgeht.
- Eintrittsgebühr: 2 USD (ca. 5 XCD) pro Person
- Öffnungszeiten: Besucherzentrum geöffnet 8:30–16:00 Uhr montags bis freitags, sowie am Wochenende wenn Kreuzfahrtschiffe anlegen
- Anreise: Lokalbus Nr. 6 ab St. George's (10 XCD) oder Mietauto/Taxi
- Höhe: 500 m – spürbar kühler und feuchter als die Küste; häufige Regenschauer
- Einrichtungen: Öffentliche Toiletten, kleines Museum, Snack- und Souvenirverkäufer
Anreise zum Grand Etang Nationalpark
Der Weg bergauf führt über steile, kurvenreiche Straßen durch dichten Regenwald. Der Park liegt etwa 20–30 Minuten Fahrt von St. George's entfernt.
Mit dem Lokalbus Nr. 6 ab St. George's
Überteuerte Kreuzfahrt-Ausflüge lassen sich umgehen: Einfach zum lokalen Busterminal in St. George's gehen. Bus Nr. 6 fährt direkt zum Parkeingang. Die Fahrt kostet etwa 10 XCD pro Person und setzt die Reisenden direkt oben am Kassenhäuschen ab – eine äußerst kostengünstige Option.
Wer mit einem Mietauto anreisen möchte, sollte sich vorab über den Fahrführer für Grenada informieren, da die Bergstraßen ihre eigenen Tücken haben.
Autofahrt und Parken
Ein Mietauto bietet zwar Flexibilität, aber der Parkplatz am Besucherzentrum wird während der Stoßzeiten der Kreuzfahrtschiffe zum chaotischen Nadelöhr. Zwischen zahlreichen großen Reisebussen und Taxis braucht man ein gutes Raumgefühl. Frühzeitig ankommen, um einen Stellplatz zu sichern und den Massen zuvorzukommen.

Die Mona-Affen beobachten (und was man mitbringen sollte)
Die Mona-Affen, im 18. Jahrhundert auf Sklavenschiffen aus Westafrika mitgebracht, sind das Haupthighlight des Parks. Sie halten sich meistens in den Bäumen direkt hinter dem Eingang auf – nicht tief im Dschungel. Man wird sie wahrscheinlich bemerken, bevor man überhaupt zum Besucherzentrum gelangt: Sie sammeln sich gern am Hauptbeobachtungsbereich und an den Straßenrändern, besonders wenn Besucher ankommen.
- Bananen mitbringen: Die Affen sind stark nahrungsmotiviert. Lokale Parkführer rufen sie oft mit Obst herunter.
- Guides trinkgeldgeben: Wenn ein Einheimischer dabei hilft, einen Affen auf die Schulter zu locken, wird ein kleines Trinkgeld erwartet.
- Schmuck ablegen: Diese Affen sind äußerst neugierig und bekannt dafür, glänzende Gegenstände zu stehlen. Halsketten, baumelnde Ohrringe und lose Sonnenbrillen vor der Interaktion ablegen.
- Abstand respektieren: Trotz ihrer Gewöhnung an Menschen sind dies wilde Tiere. Fütterung außerhalb von geführten Interaktionen vermeiden und die Tiere niemals in die Enge treiben.
Wanderwege: Vom gemütlichen Spaziergang bis zum Mt. Qua Qua Gipfel
Den Einstufungen auf den Wegweisern sollte man nicht blindlings vertrauen. Häufiger Regen verwandelt den vulkanischen Boden in rutschigen Lehm – feste Wanderschuhe sind für jeden Weg absolute Pflicht. Wer auch Wanderrouten jenseits des Parks erkunden möchte, findet beim Wanderführer für Grenada weitere Optionen auf der gesamten Insel.

Morne LaBaye Aussichtspunkt (15 Minuten)
Direkt hinter den Toilettenanlagen beginnt dieser kurze Aufstieg – nur etwa 200 m – zu einem Aussichtspunkt über das Blätterdach des Waldes. Die alte Aussichtsplattform ist weitgehend verschwunden, aber die Höhe bietet immer noch eine gute Fotogelegenheit. Der Weg ist nach morgendlichen Regenschauern berüchtigt rutschig.
Uferpfad (2 km Rundweg – Warnung: Schlamm und ungepflegte Pfade)
Als einfacher 2-km-Rundweg um den Kratersee angepriesen, erweist sich dieser Weg oft als logistischer Albtraum. Der Pfad verschwindet häufig unter dichter Vegetation und massiven Baumwurzeln. Wanderer kämpfen sich regelmäßig durch dichtes Gestrüpp, ohne den See zu sehen. Ohne festes Schuhwerk oder ausreichend Geduld für tiefen Schlamm lieber weglassen.
Beausejour Kammweg (300 m)
Eine kürzere Option entlang des Bergrückens mit Blick auf die Karibik. Ideal für Besucher, die erhöhte Aussichten ohne langen Marsch wünschen. Nach Regen ebenfalls schlammig.
Mt. Qua Qua Wanderung (3 km einfach – anspruchsvoll)
Dieser zweistündige Aufstieg belohnt mit Panoramablick über die gesamte Insel. Der Höhengewinn ist erheblich. Lange Hosen oder hohe Socken tragen – abschnittsweise überwächst Rasengras die Strecke, das bloße Beine leicht aufschneiden kann. Sehr empfehlenswert, aber auf ordentliche Ausrüstung achten – Regenkleidung für den Wetterwechsel im Hochland nicht vergessen.
Sieben Schwestern Wasserfälle (5 km – Logistik und Rasengras-Warnung)
Der Trailhead für die Sieben Schwestern liegt etwa 2 km die Hauptstraße vom Grand Etang Besucherzentrum entfernt. Der Weg beinhaltet mehrere steile Höhenunterschiede und schlammiges Gelände. Die Sieben Schwestern liegen auf Privatgelände mit einer separaten kleinen Eintrittsgebühr von ca. 5 XCD. Einen lokalen Guide am Eingang zu engagieren spart Zeit und hält auf dem richtigen Weg durch den bambusdichten Wald. Wer weitere Wasserfälle erkunden möchte, findet beim Wasserfallführer für Grenada alle Optionen einschließlich Royal Mount Carmel und Concord.
Cross Trail (5 km)
Verbindet Hurricane Ridge mit dem Besucherzentrum. Weniger besucht als die Hauptwege – ruhigeres Erlebnis durch dichten Regenwald. Am besten mit einem Guide, der die Abzweigungen kennt.

Besucherzentrum und lokale Verkäufer
Am Parkeingang befindet sich ein kleines, besetztes Informationszentrum, wo man die 2 USD Eintritt bezahlt. Drinnen läuft ein kurzes 5-Minuten-Video in Dauerschleife über die geologische Entstehung des Vulkans und das Ökosystem der Insel.
Direkt vor dem Zentrum bieten lokale Verkäufer Gewürze, Snacks und Souvenirs an. Die Stände nahe dem Museum haben oft eine bessere und deutlich günstigere Auswahl an Aufnähern, Magneten und lokalen Muskat-Produkten als die Geschäfte unten am Kreuzfahrthafen. Nach einer schlammigen Wanderung lohnt sich eine heiße lokale Kakaoschokolade oder ein kühles Getränk.

Praktische Tipps vor der Abreise
Der Park liegt im feuchten Landesinneren Grenadas, was bedeutet, dass Regen unabhängig von der Jahreszeit jederzeit aufziehen kann. Bevor man die Wanderung plant, lohnt ein Blick auf die beste Reisezeit für Grenada – die Trockenzeit (Januar bis Mai) bietet die besten Bedingungen.
- Früh starten – ab Mittag kommen Kreuzfahrtgruppen und die Menschenmassen nehmen deutlich zu
- Mindestens 1–1,5 Liter Wasser pro Person mitbringen
- Geschlossene Schuhe mit gutem Profil tragen; Sandalen sind für den Schlamm ungeeignet
- Leichte Regenjacke einpacken – selbst an sonnigen Morgen, da das Hochland schnell bewölkt werden kann
- Offline-Karten herunterladen – das Mobilfunksignal ist auf dieser Höhe unzuverlässig
Wer einen mehrtägigen Aufenthalt in Grenada plant, sollte sich vor der Fahrt ins Landesinnere mit einer lokalen SIM-Karte versorgen – außerhalb von St. George's nimmt die Konnektivität deutlich ab.



