Wer in Malta vom Ufer aus taucht, zahlt eine unsichtbare Gebühr: steile Steintreppen in voller Ausrüstung unter der intensiven Mittelmeersonne. Welche Spots einen 15-minütigen Oberflächenschwimm erfordern und welche einen einfachen Einstieg vom Boot erlauben, bestimmt den gesamten Tauchplan. Den Luftverbrauch rund um diese körperlichen Anforderungen zu managen, entscheidet darüber, ob Sie die tiefen historischen Wracks wirklich genießen oder bereits auf dem Anmarschweg die Flasche leeren. Malta gehört zu Europas Top-Destinationen für Wracktauchen - und eine gute Vorbereitung zahlt sich aus, bevor Sie überhaupt ins Wasser gehen.

Warum Malta das europäische Wracktauchen dominiert

Der maltesische Archipel hat seinen Unterwasserruf durch das gezielte Versenken ausgedienter Schiffe seit den 1990er-Jahren aufgebaut. Auf dem Meeresgrund liegt heute eine der höchsten Dichten an künstlichen Riffen in Europa, ergänzt durch historische Kriegsverluste aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Sichtweite übertrifft regelmäßig die 30-Meter-Marke - ein deutlicher Kontrast zu den 2 bis 5 Metern, die Taucher aus der Nordsee gewohnt sind.

Die Freizeittauchgrenze liegt bei rund 40 Metern und erschließt damit einen Großteil der versenkten Patrouillenboote und Schlepper. Technische Taucher, die unter 50 Meter vordringen, erhalten Zugang zu den geschützten Heritage-Malta-Stätten, darunter tiefliegende Flugzeuge und U-Boote. Für den Besuch dieser eingeschränkten historischen Zonen wird über akkreditierte Tauchschulen eine Schutzgebühr erhoben.

Ganzjährig kann hier getaucht werden. Die meisten Besucher wählen jedoch das Fenster von Mai bis Oktober, wenn die See am ruhigsten und die Sichtweite am besten ist. Für geführte Fun-Dives wird ein Open-Water-Patent oder ein gleichwertiger Nachweis benötigt - Anfänger ohne Zertifizierung können über ein geführtes Entdeckertauchen (Discover Scuba) ins Wasser. Ein gültiger PADI-Tauchschein wird weltweit anerkannt und ist für alle Spots auf Malta ohne weiteres einsetzbar.

Taucher steigt neben einem großen versunkenen Schiffswrack in klarem blauem Mittelmeerwasser ab
Ein Taucher gleitet am mächtigen Rumpf eines maltesischen Wracks entlang, während Sonnenstrahlen durch das klare blaue Wasser brechen.

5 Wracks, die Sie auf Malta nicht verpassen sollten

Um El Faroud (Zurrieq)

Der 110 Meter lange libysche Öltanker ist der unbestrittene Mittelpunkt für Fortgeschrittene an der Südküste. Die Um El Faroud wurde 1998 vor Wied iz-Zurrieq versenkt und später durch einen Wintersturm in zwei Teile gebrochen - ein dramatischer Riss direkt vor dem Maschinenraum. Das Wrack liegt aufrecht auf Sandgrund; das Hauptdeck befindet sich auf etwa 25 Metern, die Schraube auf rund 36 Metern.

Für das Penetrieren des Maschinenraums sind perfekte Froschkick-Techniken erforderlich; eine einzige ungeschickte Flossenbewegung trübt die Sicht für alle Nachfolger. Wer früh anreist, vermeidet das Schleppen schwerer Ausrüstung über unebenes Pflaster, bevor es den steilen Abstieg zum Wasser geht. Der Oberflächenschwimm dauert etwa 10 bis 12 Minuten durch starken Bootsverkehr - bleiben Sie auf dem Anmarsch zwischen 5 und 10 Metern Tiefe.

Patrouillenboot P29 (Cirkewwa)

Aufrecht auf hellem Sandgrund in 34 Metern Tiefe bietet dieses frühere Patrouillenboot der maltesischen Seestreitkräfte ein äußerst fotogenes Profil. Die P29 war ein Kondor-Klasse-Schiff ostdeutschen Ursprungs, bevor es den maltesischen Streitkräften diente, und wurde 2007 als künstliches Riff versenkt. Das 52 Meter lange Schiff besitzt noch seinen Mast und ein nachgebautes Maschinengewehrdeck; der höchste Punkt liegt bei rund 12 Metern. Der Schwimm vom Einstieg am Susie's Pool dauert etwa 8 Minuten.

Bei Frühjahrstauchgängen sind häufig lange weiße Beutel an den Handläufen zu entdecken. Dabei handelt es sich um Tintenfischeier - ein Tauchlicht, das hindurchscheint, lässt gelegentlich die sich entwickelnden Embryos erkennen.

Schlepper Rozi (Cirkewwa)

1992 versenkt, liegt der 40 Meter lange Schlepper Rozi direkt neben der P29. Die Hauptstruktur liegt auf 34 Metern und ist vollständig von Motor und Schraube befreit. Die ikonischste Weitwinkelaufnahme entsteht tatsächlich 30 Meter vor dem Bug.

  • Der Anker: Zum ursprünglichen Anker auf 32 Metern zu schwimmen, fügt dem Grundzeitplan einige Minuten hinzu.
  • Meeresleben: Im Sandstreifen zwischen Bug und Anker verstecken sich häufig weiße Mönchsfische und Knurrhähne.
  • Luftmanagement: Den tiefen Rückschwimm zur Riffwand einkalkulieren; das Dekostopplimit sinkt hier schnell.

Patrouillenboot P31 (Comino)

Anfänger und Open-Water-Taucher erhalten vor Comino endlich einen eigenen Wracktauchgang. Die P31 ist das Schwesterschiff der P29, liegt aber auf sehr angenehmen 18 Metern Maximaltiefe. Der Zugang erfolgt per Boot in der Nähe der Blue Lagoon, wodurch die ermüdenden Oberflächenschwimms und felsigen Ufereinstiege vollständig entfallen.

Eine ganze Stunde Grundzeit ist hier problemlos möglich. Die geringe Tiefe macht diesen Spot ideal für ein Makroobjektiv und die Suche nach Nacktschnecken am Rumpf.

Schlepper II (Sliema)

Dieses 30 Meter lange Übungswrack vor dem städtischen Felsstrand von Sliema ist der perfekte Check-Dive. Die Maximaltiefe beträgt 20 Meter und liegt damit klar in der Komfortzone für Einsteiger. Eine üppige Posidonia-Seegraswiese umgibt den Anmarsch und beherbergt mediterrane Preußenfische und bestens getarnte Gewöhnliche Kraken.

Der Schwimm von der Exile Bay dauert rund 12 Minuten. Den Tauchgang bei halbem Tank umkehren, um einen komfortablen und sicheren Rückweg entlang des Riffs zu gewährleisten. Geführte Ufer- und Bootausflüge zu diesen Wracks lassen sich bequem im Voraus buchen: Tauchen und Schnorcheln auf Malta buchen

Taucher schwebt über dem Deck eines aufrecht versunkenen Patrouillenboots auf sandigem Meeresgrund im Mittelmeer
Ein Fotograf schwebt über dem Deck eines aufrecht liegenden Wracks auf dem hellen sandigen Meeresboden vor Malta.

Beste Höhlen- und Rifftauchgänge auf Gozo und Comino

Blue Hole (Dwejra, Gozo)

Direkt in die Kalksteinklippen im Westen Gozos eingeschnitten, dient das Blue Hole sowohl als Tauchspot als auch als Eingangstor zum Azure Reef. Man steigt in ein geschütztes, 15 Meter tiefes Naturbecken ein und passiert anschließend einen Unterwasserbogen ins offene Meer. Die Topographie zeigt massive Felsbrocken und steil abfallende Wände - entstanden durch den Einsturz des Azure Window im März 2017.

Deutsche Taucher, die nach "Malta Azure Window" suchen, sollten wissen: Der ikonische Felsbogen ist 2017 ins Meer gefallen, aber das Blue Hole darunter ist nach wie vor einer der besten Tauchplätze Europas und lohnt die Reise umso mehr. Von VDST-Mitgliedern und im deutschsprachigen Tauchforum vielfach als Top-5-Spot Europas gelistet.

Gozo ist für sich genommen ein ernstzunehmendes Tauchziel, und viele Taucher verbinden Unterwassertage mit den Sehenswürdigkeiten des Inselinnern. Abgelegene Spots im Süden Gozos sind mit eigenem Fahrzeug deutlich einfacher zu erreichen - mehr dazu im Ratgeber malta-mietwagen-linksverkehr.

Santa Marija Caves (Comino)

Dieses flache Höhlensystem auf 10 Metern an der Nordküste Cominos bietet eine sanfte Einführung in Overhead-Umgebungen. Zwei der Haupthöhlen sind durch einen breiten Unterwasserbogen verbunden. Starker Bootsverkehr und Dünung können den feinen weißen Sand aufwirbeln und die Sicht drastisch reduzieren.

Taucher schwimmt durch einen sonnendurchfluteten Unterwasser-Kalksteinbogen in Richtung klares offenes blaues Wasser
Ein Taucher passiert einen sonnendurchfluteten Kalksteinbogen, während Lichtstrahlen den Weg ins offene blaue Wasser weisen.

Schnorcheln auf Malta - ohne Boot

Nicht jeder Besucher möchte eine Flasche auf dem Rücken tragen - und Malta belohnt Schnorchler mit klarem Wasser direkt vom Ufer aus. Ghar Lapsi an der Südküste ist der familienfreundlichste Schnorchel-Strand, mit einer geschützten Bucht und flachen Höhlen. Die Coral Gardens neben dem Blue Hole auf Gozo liegen nur rund 4 Meter tief und sind direkt von den Felsen aus erreichbar.

Auf Gozo bieten Hondoq ir-Rummien und Xlendi Bay glasklares Wasser, Felswände und einfache Einstiege. Die berühmte Blue Lagoon auf Comino ist atemberaubend schön, erfordert aber realistischerweise eine Fähre oder ein Boot - mehr dazu im Ratgeber malta-gozo-faehre.

Schnorchler treiben über einem flachen felsigen Ufer in klarem türkisfarbenem Wasser an einem sonnigen Tag
Schnorchler treiben über einem flachen Felsufer und blicken in das glasklare türkisfarbene Wasser darunter.

Praktische Hinweise für Taucher

Beste Reisezeit für Tauchen auf Malta

Die Wassertemperaturen schwanken je nach Monat erheblich und beeinflussen die Wahl des Neoprenanzugs direkt.

  • Frühling (April bis Mai): Temperaturen zwischen 16 °C und 19 °C. Ein Semi-Dry oder ein dicker 7-mm-Neoprenanzug mit Haube ist Pflicht.
  • Sommer (Juli bis August): Das Meer erwärmt sich auf rund 26 °C, allerdings sind die Inseln voller Touristen und die Parkplätze an den Tauchspots werden zum Alptraum.
  • Herbst (September bis Oktober): Der absolute Sweet Spot für Herbsttauchen. Wassertemperaturen erreichen knapp 26 °C nach dem Sommerwärmestau, und die starken Touristenmengen sind verschwunden. Die Sichtweite von 20 bis 40 Metern - gewohnt herausragend verglichen mit der Nordsee - bleibt durch den Herbst stabil.

Mehr zur optimalen Reiseplanung im Ratgeber malta-beste-reisezeit.

Standortwahl: Sliema oder St. Paul's Bay

Ein Quartier in Sliema bietet sofortigen Zugang zu großen PADI-anerkannten Tauchschulen, Ausrüstungslagern und dem Schlepper-II-Ufertauchgang. Die zentrale Lage ermöglicht es Tauchvans, die Cirkewwa-Spots im Norden oder die Zurrieq-Wracks im Süden in 45 Minuten zu erreichen. Die starken Verkehrsengpässe rund um St. Paul's Bay sollten vermieden werden, wenn täglich Ufertauchgänge in verschiedenen Teilen der Insel geplant sind. Tipps zu Tagesausflügen nach Gozo finden sich im Ratgeber gozo-tagesausflug-tipps.

Taucher in Neoprenanzügen bereiten ihre Tauchausrüstung an einem felsigen Küsteneinstieg unter strahlender Sonne vor
Taucher rüsten Flaschen und Flossen am Felsufer aus und planen den Tauchgang des Tages.