Wer Malta bereist, kennt die endlosen Bilder der Blue Lagoon und der mächtigen Kalksteinküste Gozos. Ganz ehrlich: Vom überfüllten Fährschiff oder einem lauten Motorboot aus ist das nur die halbe Erfahrung. Um die rohe geologische Schönheit dieser Inseln wirklich zu begreifen, muss man auf Wasserhöhe sein und mit eigener Muskelkraft durch die engen Felsspalten navigieren.
Seekajakfahren rund um Gozo und Comino ermöglicht es, tief in stockdunkle Meereshöhlen zu paddeln, über neonblaues Wasser zu gleiten und abgeschiedene Strände zu erreichen, die zu Fuß völlig unzugänglich sind. Das Mittelmeer ist allerdings kein Schwimmbad. Damit das Abenteuer aus den richtigen Gründen unvergesslich wird, sollte man die praktische Logistik, das Windverhalten und die Ausrüstungsanforderungen dieser Gewässer kennen.
- Durchschnittlicher Preis einer geführten Tour: 65 bis 95 Euro pro Person, in der Regel inklusive Ausrüstung und einem leichten Picknick-Mittagessen (Preise je nach Saison und Gruppengröße beim Anbieter prüfen).
- Typisches Format: eine Halbtages-Tour von rund 3 Stunden, mit etwa 2,5 Stunden Paddeln und einer 30-minütigen Schwimmpause.
- Mindestalter: 10 Jahre für Familientouren. Kinder unter 15 Jahren müssen in einem Doppelkajak zusammen mit einem verantwortlichen Erwachsenen paddeln.
- Beste Saison: Mai bis Oktober, wobei erfahrene Paddler je nach Winterdünung das ganze Jahr erkunden können.
- Höhepunkte: die Santa-Maria-Höhlen auf Comino, die Blue Lagoon und die dramatischen Klippen an Gozos Nordküste.
Die Realität des Seekajakens in Gozo und Comino
Bevor man zum Paddel greift, sollte man den Gedanken aufgeben, eine genaue Kajakroute Wochen im Voraus planen zu können. Die wichtigste Regel beim Seekajaken in Malta lautet schlicht: Das Wetter bestimmt die Route, nicht Sie.
Weil Gozo und Comino kleine Inseln sind, die Meeresströmungen ausgesetzt sind, können Windbedingungen eine glatte, ruhige Bucht innerhalb weniger Stunden in ein Waschmaschinenprogramm aus Wellen und Gischt verwandeln. Zertifizierte Guides verbringen Zeit damit, Windrichtung und Wellenhöhe zu beurteilen, bevor sie einen Startpunkt auswählen.

Ändert ein Tourveranstalter das Programm am Morgen des Ausflugs, sollte man sich nicht ärgern - die Guides bewahren einen damit vor einem erschöpfenden und unsicheren Kampf gegen einen beständigen Gegenwind. Wer noch überlegt, wann die Reise stattfinden soll: Informationen zur besten Reisezeit Malta finden sich im Ratgeber zur Malta-Reisezeit.
Wie die Windrichtung die Route bestimmt
- Nord- und Nordwestwinde (der Mistral): Dies ist der häufigste Wind in Malta. Wenn der Mistral weht, werden die Nordküsten Gozos rau und gefährlich. Der Guide verlagert den Start dann wahrscheinlich an die Süd- oder Ostküste, oft von der Hondoq Bay aus, oder nutzt die geschützten Kanäle rund um Comino.
- Süd- und Südostwinde (der Schirokko): Ein warmer Wind aus Afrika erzeugt schwere Dünung an den Südklippen Gozos. Wenn er einzieht, werden die Nordbuchten wie Qbajjar oder Ramla zur sichersten Zone für Erkundungen.
Ist die offene Überfahrt vollständig gesperrt, starten manche Anbieter vom geschützten Dwejra Inland Sea aus, einem ruhigen Becken, das über einen kurzen natürlichen Tunnel im Fels mit dem offenen Mittelmeer verbunden ist.
Die besten Meereshöhlen-Routen und Startpunkte
Obwohl die gesamte Küste beider Inseln atemberaubend ist, bieten zwei spezifische Routen die höchste Dichte an Meereshöhlen und Naturbögen.
Von Mgarr Marina nach Comino: die Santa-Maria-Höhlen-Route
Dies ist wohl der bekannteste Kajak-Tagesausflug im maltesischen Archipel. Man startet vom betriebsamen Mgarr Hafen auf Gozo und überquert die offene See zur Nordküste von Comino. Die schmalste Lücke zwischen den Inseln beträgt nur etwa 800 Meter, und die meisten Gruppen überbrücken sie in 15 bis 20 Minuten gleichmäßigen Paddelns - während sie den Kanal mit lokalen Fähren und Freizeitbooten teilen.
Sobald man Comino erreicht, sind die Belohnungen enorm. Die Küste hier ist durchzogen von den Santa-Maria-Höhlen, die als Filmkulisse für "Der Graf von Monte Christo" dienten. Anders als die flachen Überhänge anderswo im Mittelmeer sind einige dieser Höhlen tiefe, weitläufige Tunnel. Man kann direkt durch enge Felsbögen und in riesige Kammern paddeln, in denen Sonnenlicht durch Unterwasseröffnungen nach oben fällt und das Meer in ein intensives, leuchtendes Türkis taucht.

In den tieferen Abschnitten erlebt man den Nervenkitzel, in fast völlige Dunkelheit zu paddeln, bevor man in einer verborgenen Bucht auftaucht. Von hier aus führen viele Touren weiter zur Blue Lagoon auf Comino für eine Schwimmpause abseits der Tagesausflugboote.
Die raue Nordküste von Gozo
Wer dramatische, aufragende Klippen und eine abgelegenere Atmosphäre sucht, wird an der Nordküste Gozos fündig. Von Gebieten wie Hondoq ir-Rummien oder weiter nördlich bei Marsalforn startend, verläuft diese Route entlang gewaltiger Kalksteinwände, die von jahrhundertelangen rauen Nordwellen geformt wurden.
Die Meereshöhlen hier sind enger und technisch anspruchsvoller beim Einfahren. Den Seegang sollte man genau beobachten, denn auch an vergleichsweise ruhigen Tagen kann das in einer engen Höhle auf- und abschwappende Wasser das Kajak gegen scharfe Felswände drücken, wenn man nicht aufpasst. Diese Route bietet hervorragende Chancen, lokale Meerestiere aus nächster Nähe zu beobachten, fernab des starken Touristenverkehrs der Hauptlagunen.
Eigenverleih vs. geführte Touren
Absoluten Anfängern oder Gelegenheitspaddlern ohne Kenntnis der lokalen Gewässer wird eine geführte Tour sehr empfohlen. Professionelle lokale Guides sorgen nicht nur für Sicherheit - sie kennen die genaue Lage versteckter Höhleneingänge, die man alleine komplett übersehen würde.

Erfahrene Kajakfahrer mit Navigationskenntnissen im offenen Wasser genießen mit dem Eigenverleih hingegen die volle Freiheit.
| Merkmal | Geführte Touren | Eigenverleih / selbst geführt |
|---|---|---|
| Sicherheit & Navigation | Hoch. Guides beobachten das Wetter per Funk und steuern die Route. | Eigenverantwortung für Sicherheit und Navigation. |
| Routenflexibilität | Fest, basierend auf dem Durchschnittsniveau der Gruppe. | Vollständig individuell anpassbar. |
| Versteckte Spots | Guides kennen die genauen Koordinaten verborgener Tunnel. | Erfordert gründliche Recherche oder eine GPS-Karte zum Auffinden der Höhlen. |
| Enthaltene Ausrüstung | Kajak, Schwimmweste, Paddel, Spritzdecke, Trockensäcke und Mittagessen. | Kajak, Schwimmweste und Paddel (Spritzdecken oft nur mit Nachweis ausreichender Kenntnisse). |
Wer einen zertifizierten Guide und die richtige Ausrüstung buchen möchte, kann hier verfügbare Abfahrten vergleichen.
Ausrüstung, Sicherheit und Altersregeln
Seekajakfahren sollte man nicht mit entspanntem Seencanoa verwechseln. Die verwendete Ausrüstung ist entscheidend, wenn man auf offenen Mittelmeerwässern unterwegs ist.
Sitzkajak (Sit-inside) vs. Aufsitzkajak (Sit-on-top)
Die meisten Freizeit-Verleihstationen an öffentlichen Stränden bieten Aufsitzkajaks aus Kunststoff an. Diese eignen sich hervorragend, um eine Stunde in einer geschützten Bucht wie Xlendi oder San Blas herumzupaddeln, sind aber für lange Überfahrten nach Comino völlig ungeeignet.

Hochwertige Touranbieter stellen Sitzkajaks mit Steuerkiel zur Verfügung, etwa Modelle wie das Wilderness Systems Tsunami oder Tempest. Ihre auf Kurs optimierten, längeren Rümpfe schneiden effizient durch aufgewühltes Wasser. Professionelle Anbieter liefern außerdem Nylon- oder Neopren-Spritzdecken, die das Cockpit abdichten und verhindern, dass Wellen das Kajak füllen. Wenn ein Anbieter Spritzdecken bereitstellt, ist das ein klares Zeichen dafür, dass er echten Seekajak-Standards gerecht wird.
Regeln für Kinder und Tandemkajaks
Seekajakfahren ist körperlich anspruchsvoll. Wer einen Familienausflug plant, sollte die lokalen Altersvorschriften beachten:
- Kinder müssen mindestens 10 Jahre alt sein, um an offenen Familientouren teilzunehmen.
- Paddler unter 15 Jahren müssen in einem Doppel- (Tandem-)Kajak sitzen, gepaart mit einem verantwortlichen Erwachsenen aus der Gruppe. So ist immer die Kraft eines Erwachsenen verfügbar, um unerwartete Strömungen oder Erschöpfung aufzufangen.
Was man für die Mittelmeersonne einpackt
Die Sonne, die sich rund um Gozo vom Wasser spiegelt, ist intensiv, und die weißen Kalksteinwände verstärken die Hitze zusätzlich. Für ein 4 bis 5 Stunden langes Paddeln sollte die Packliste präzise sein:
- Sonnenschutz: meeresfreundliche Sonnencreme LSF 50, ein breitrandiger Hut mit Kinnband, damit er nicht wegfliegt, und polarisierte Sonnenbrille mit schwimmendem Band.
- Schuhwerk: Neopren-Wasserschuhe oder feste Sandalen. Flip-Flops meiden - man braucht Grip, wenn man auf nasse, glitschige Felsen in Höhlen tritt oder an Stränden landet.
- Flüssigkeit: mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Person. Die meisten geführten Touren stellen Wasser bereit, eine eigene zugängliche Flasche ist aber unverzichtbar.
- Kleidung: ein leichtes Rash Guard oder ein UV-schützendes Langarmshirt schlägt ein normales T-Shirt, weil es schnell trocknet und verhindert, dass die Schwimmweste die Haut scheuert.
Durch die Meereshöhlen von Gozo und Comino zu paddeln ist ein Abenteuer, das bleibt. Den Wind respektieren, die richtige Ausrüstung wählen und die maltesischen Inseln vom besten Aussichtspunkt erleben. Für die Anreise nach Gozo: Informationen zur Fährverbindung findet man im Gozo-Fähre-Ratgeber. Wer mit dem Auto unterwegs ist, hilft der Ratgeber zum Mietwagen und Linksverkehr in Malta weiter.



