Wer sich auf veraltete Reiseführer oder alte Restaurierungshinweise verlässt, wird hier schnell enttäuscht: Fort Rinella öffnet heute Montag bis Samstag von 10:00 bis 16:30 Uhr, nicht nur am Wochenende, wie viele Foren noch behaupten. Wer seinen Besuch so plant, dass er die geführte Tour um 14:00 Uhr erwischt, erlebt das Highlight - eine vollständige historische Nachstellung, die mit lebendiger Artillerie und der weltgrößten erhaltenen Vorderladerkanone direkt vor einem endet. Hier ist eine aktive Garnison wieder zum Leben erweckt worden, kein Schaukasten-Museum, und dieser Unterschied wird schon wenige Minuten nach dem Eingang deutlich.
Was macht Fort Rinella sehenswert?
Anders als die statischen Militärmuseen, die über die ganze Insel verteilt sind, funktioniert diese Küstenbatterie aus dem 19. Jahrhundert als lebendes Zeitdokument. Darsteller in authentischen viktorianischen Uniformen bewegen sich den ganzen Tag über das Gelände, üben Bajonettgriffe, führen Signalübungen durch und zeigen Kavallerie-Vorführungen. Das vermittelt einen ungefilterten Eindruck vom harten Alltag eines britischen Soldaten im Mittelmeer - statt einer Schrifttafel, die davon berichtet.
Das unbestrittene Herzstück ist die Armstrong 100-Tonnen-Kanone. Sie war in der Lage, eine eine Tonne schwere Granate über eine Distanz von etwa fünf Kilometern zu verschießen, und benötigte dafür ein dampfbetriebenes Hydrauliksystem nur zum Laden und Schwenken. Wer die unterirdischen Maschinenräume und Ladekammern darunter erkundet, bekommt ein echtes Gefühl dafür, wie weit viktorianische Ingenieure die Technologie ihrer Zeit zu treiben bereit waren.

Öffnungszeiten und Showzeiten
Das Fort öffnet Montag bis Samstag von 10:00 bis 16:30 Uhr, der letzte Einlass ist um 16:00 Uhr. An einigen Feiertagen bleibt es geschlossen, darunter Silvester und Neujahr, Karfreitag, Ostern und Weihnachten. Wer seinen Besuch in die Nähe eines dieser Termine legt, sollte das vorab prüfen.
Der Tag ist um feste Vorführungen herum aufgebaut, und wer früh ankommt, kann den Untergrundtunnel noch vor den Shows erkunden. Der typische Ablauf sieht folgendermaßen aus:
- 12:00 Uhr: Militärische Signalübung
- 13:00 Uhr: Fechtvorführung
- 14:00 Uhr: Hauptgeführte Tour mit vollständiger historischer Nachstellung, Artillerieschuss und Kavallerieshow
Der 14-Uhr-Slot ist der, um den man seinen Tag planen sollte, da er die Nachstellung, die Kanonenvorführung und die Kavallerie in einem Block vereint. Für die Vorführungen und eine Erkundung der Unterbauten sollte man zwei bis drei Stunden einplanen.
Living-History-Shows und das Martini-Henry-Erlebnis
Der Wert des Eintrittpreises hängt stark von den geführten Touren ab, und die Guides machen den Unterschied. Sie werden von Besuchern regelmäßig dafür gelobt, historische Tiefe mit trockenem Humor zu verbinden. Sie führen durch das Labyrinth aus befestigten Kasernen, Kaponnieren und Aufzugsschächten und erklären, wie eine Besatzung von nur sieben Mann die enorme Artillerie über ihren Köpfen bedienen konnte.
Ein Gewehr aus dem 19. Jahrhundert abfeuern
Für die meisten Besucher ist der Höhepunkt am Ende der Waffenvorführung. Für eine kleine €5 Spende zugunsten des Restaurierungsfonds darf man selbst an die Schießlinie treten.
Unter strenger Aufsicht lädt man eine Platzpatrone und feuert sie aus einem originalen Martini-Henry Mk II ab - dem exakten Hinterlader-Gewehr im Kaliber .45 Zoll, das das britische Heer während der Zulukriege trug. Es ist laut, eindringlich und äußerst fotogen. Auch Kinder ab etwa acht Jahren dürfen in der Regel einen Schuss abgeben. Die 100-Tonnen-Kanone selbst ist nicht betriebsfähig und hat nie einen scharfen Schuss abgefeuert, daher beschränkt sich das Live-Feuern auf Gewehre und kleinere Platzpatronen-Geschütze.
Anreise von Valletta nach Fort Rinella
Öffentliche Verkehrsmittel sind der unkomplizierteste Weg nach Kalkara: Bus Nummer 3 ist die richtige Linie. Er fährt regelmäßig vom Hauptterminus in Valletta ab und hält direkt vor dem Haupttor des Forts. Die Fahrt dauert je nach Küstenverkehr rund 40 Minuten. Weitere Informationen zum Busnetz finden sich im Artikel zur Fortbewegung auf Malta per Bus (drei-staedte-malta-birgu).
Es gibt eine landschaftlich schönere Alternative: Die Fähre von Valletta über den Grand Harbour nach Cospicua (Bormla) - einer der Drei Städte - bietet spektakuläre Ausblicke auf die befestigten Bastionen vom Wasser aus. Die Überfahrt kostet so viel wie ein normales Busticket. Nach der Ankunft fährt der Bus Nummer 3 in nur fünf Minuten zum Fort. Eine Kombination mit einem Ausflug in die Drei Städte liegt nahe, da sie direkt benachbart liegen (drei-staedte-malta-birgu).
Ein kurzer Blick in die Geschichte
Die britische Armee baute Fort Rinella zwischen 1878 und 1886 als direkte Reaktion auf eine aufkommende Bedrohung zur See. Italien hatte gerade die Schlachtschiffe der Duilio-Klasse vom Stapel gelassen - schwer gepanzerte Schiffe mit 22 Zoll Stahlschutz und eigenen Geschützen enormer Stärke. Aus Sorge um die maritime Vorherrschaft und die lebensnotwendige Suezkanal-Route nach Indien bestellte Großbritannien vier 100-Tonnen-Kanonen: zwei für Gibraltar, zwei für Malta.
Die Kanone in Kalkara traf 1882 ein und brauchte 100 Mann und drei Monate, um von den Docks an ihren heutigen Standort gezogen zu werden. Im Kampf wurde sie nie eingesetzt, und rasante militärtechnische Entwicklungen machten sie bis 1906 obsolet - kaum zwanzig Jahre nach Fertigstellung des Forts. Heute widmen sich die Freiwilligen der Fondazzjoni Wirt Artna der Restaurierung des Geländes und bringen die komplexen Hydraulikmechanismen Stück für Stück wieder zum Laufen - genau das macht die Live-Vorführungen so anders als ein abgesperrtes Ausstellungsstück. Wer sich für diese Epoche der maltesischen Verteidigungsgeschichte interessiert, findet im Artikel zu den Zweiter-Weltkrieg-Bunkern auf Malta einen passenden Anschluss (malta-zweiter-weltkrieg-bunker).



