Die meisten Besucher kommen zur Coral Lagoon und erwarten einen Sandstrand und ein entspanntes Bad - stattdessen treffen sie auf einen holprigen Weg über knöchelverdrehehendes Kalkgestein und einen senkrechten Abbruch ins offene Wasser. Diese eingestürzte Meereshöhle an Maltas nördlichster Spitze belohnt jeden, der gut vorbereitet kommt. Wer jedoch unvorbereitet anreist, riskiert scharfe Felsen, starke Strömungen und einen einzigen, kniffligen Ausstieg. Bevor Sie aufbrechen, brauchen Sie das richtige Schuhwerk, einen gründlichen Blick auf die Windrichtung und einen realistischen Plan, wie Sie wieder aus dem Wasser kommen.
Hier ist der schnelle Überblick, bevor es in die Details geht.
- Eintritt: Kostenlos, keine Tickets oder Schranken
- Bestes Windfenster: Süd oder Südwest; Nord- und Nordwestwinde unbedingt meiden
- Nächster Parkplatz: Campingplatz L-Ahrax, 5 bis 10 Minuten zu Fuß bis zum Rand
- Gelände: Scharfes, unebenes Kalkgestein, festes Schuhwerk unverzichtbar
- Hauptgefahren: Keine Ausstiegsleitern, starke Strömungen, saisonale Quallen
Was ist die Coral Lagoon (Dragonara Cave) genau?
Vergessen Sie das gewöhnliche Strandambiente. Die Coral Lagoon, lokal als Dragonara Cave bekannt, ist ein gewaltiger geologischer Einbruch auf dem L-Ahrax-Kap bei Mellieha. Jahrhundertelange Meereserosion höhlte das Kalksteinriff aus, bis das Dach einbrach. Das Ergebnis ist ein senkrechter, kreisförmiger Krater, der direkt in türkisfarbenes Mittelmeerwasser fällt.
Im Inneren verstärken die Akustik die brechenden Wellen. Die einzige natürliche Verbindung zum offenen Meer ist ein schmaler, bogenförmiger Tunnel. Hier gibt es weder Sand noch Kioske - nur rohes Gestein und tiefes Wasser.

Anreise zur Coral Lagoon Mellieha
Die Lagune liegt an Maltas äußerster Nordostküste, etwa 10 Autominuten vom Fährhafen Cirkewwa entfernt. Sie können auf drei Wegen dorthin gelangen - die Wahl verändert das gesamte Erlebnis.
Per Auto: Parken und der L-Ahrax-Weg
Mit dem Auto ist die Anreise am praktischsten. Parken Sie beim Campingplatz L-Ahrax tal-Mellieha oder der Kapelle der Unbefleckten Empfängnis - der Parkplatz ist kostenlos. Vom unbefestigten Parkplatz aus sind es kurze 5 bis 10 Minuten zu Fuß über rasiermesserscharfe, faustgroße Steine. Festes Schuhwerk ist hier keine Option, sondern Pflicht - Flip-Flops werden in Sekunden zerschlissen.
Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, muss erheblich mehr Aufwand einplanen. Die nächste Bushaltestelle ist Qammieh, fast 3 Kilometer entfernt an der Hauptstraße Richtung Gozo-Fähre. Von dort wartet ein völlig schattenloser 35-minütiger Marsch über staubige Wege des Marfa-Rückens. Nehmen Sie ausreichend Sonnenschutz und genug Wasser mit - die Hitze ist nicht zu unterschätzen. Wer die weitere Reise ohne Mietwagen plant, sollte wissen, dass die Fortbewegung in Malta per Bus an der Nordspitze besonders aufwendig ist. Informationen zur Tallinja-Buslinie finden Sie im Artikel malta-fortbewegung-bus-tallinja.
Per Kajak und Stand-up-Paddle von Armier Bay
Durch den Meereshöhleneingang in die Lagune zu paddeln bietet eine völlig andere Perspektive. Kajaks können bei Little Armier Bay oder am Armier Bay Beach für etwa 15 bis 20 Euro pro Session bei etablierten Anbietern wie Tortuga gemietet werden. Das Paddeln dauert je nach Tempo 20 bis 30 Minuten.
Meiden Sie billige aufblasbare Kanus von windigen Straßenständen in der Nähe des Campingplatzes. Diese sind auf dem offenen Meer instabil und oft ohne Schwimmwesten oder ordentliche Paddel ausgestattet. Halten Sie sich an die Wassersportzentren an den Hauptstränden von Armier.
Frischt der Wind auf, wird die Dünung vor dem Höhleneingang mühsam zu meistern. Ähnliche Bedingungen gelten auch beim Kajakfahren zu den Höhlen von Gozo und Comino, wo sich das Wetter ebenso schnell drehen kann.
Per Boot: Küstenfahrten vom Hafen Cirkewwa
Viele private Bootscharterfahrten ab Hafen Cirkewwa oder der Marfa Bay nehmen die Lagune in ihre Route auf, bevor sie nach Comino übersetzen. Diese Methode spart den gesamten Fußweg. Sie können nahe am Höhleneingang ankern und direkt hineinschwimmen.
Die Wahrheit über Cliff Jumping an der Coral Lagoon
Cliff Jumping ist die größte Attraktion der Lagune - aber auch der gefährlichste Aspekt. Die Behörden haben den Sprungbetrieb hier nach schweren Verletzungen aktiv eingeschränkt und entmutigt. Aus praktischer Sicht sollte das Springen ausschließlich von kräftigen, erfahrenen Schwimmern versucht werden, die die Bedingungen selbst geprüft haben.
Wassertiefe und die sicherste Absprungzone
Der Sprung ist etwa 10 Meter hoch. Die tiefste Stelle des Pools liegt direkt unterhalb des verblassten Warnschilds, das auf den Felsen gemalt ist. Die zentrale Wassersäule bleibt unter normalen Bedingungen tief genug für einen Sprung.
Wer woanders auftrifft, riskiert Kontakt mit untergetauchten Felsbrocken. Schwimmen Sie den Bereich vor dem Sprung immer ab, um die Tiefe zu prüfen - Gezeiten verändern den Spielraum von Tag zu Tag. Die Tiefe immer zuerst kontrollieren.
Das Ausstiegsproblem: Die Freiwasserschwimmroute
Hineinspringen ist leicht - herauskommt man schwerer. Es gibt keine Metallleitern oder Sicherheitsseile im Inneren der Lagune. Nach dem Sprung muss man durch den schmalen Meerestunnel hinausschwimmen und sich um das gezackte Kap herumkämpfen, um eine niedrig gelegene Felsplatte zu finden, an der man hochklettern kann.
Dieser Freiwasserschwimm setzt Sie Ausströmungen aus. Verschlechtert sich der Seegang, während Sie sich im Inneren befinden, verwandelt sich der Ausstiegsweg in eine Waschmaschine aus brechenden Wellen gegen scharfe Klippen. Nehmen Sie eine Taucherbrille und Flossen mit - der Unterwasserbogen ist wunderschön zum Schnorcheln, und die Flossen geben Ihnen entscheidenden Vortrieb gegen die Strömungen.
Dieselbe Vorsicht bei Ausstieg und Tiefe gilt auch am St. Peter's Pool in Malta, dem anderen beliebten natürlichen Sprungpunkt der Insel.

Wichtige Wetterchecks vor dem Aufbruch
Die Bedingungen an der Lagune können sich stark vom Rest der Insel unterscheiden - ein kurzer Blick auf die Wetter-App zu Hause reicht nicht aus.
Warum Nordwinde die Höhle gefährlich machen
Ein ruhiger, sonniger Tag in Valletta bedeutet keine sicheren Bedingungen an der Nordspitze der Insel. Die Coral Lagoon wirkt wie ein natürlicher Trichter. Wenn der Wind aus Nord oder Nordwest bläst, dringt die Dünung direkt in den Höhleneingang.
Das verstärkt die Wellenhöhe im engen Raum erheblich. Wenn auf der Meeresoberfläche draußen Schaumkronen sichtbar sind, gehen Sie nicht ins Wasser. Ohne Ausnahme.
Strömungsdünung und Quallenplage
Die berüchtigte Leuchtqualle (Mauve Stinger) des Mittelmeers wird häufig durch einströmende Strömungen in den Lagunenkessel getrieben und bleibt dort gefangen. Prüfen Sie die Wassersäule vor dem Sprung vom oberen Rand aus. Polarisierte Sonnenbrillen reduzieren die Blendwirkung und helfen, violette Schirme unter der Oberfläche zu erkennen.
Den Ausflug erweitern: Die abgelegene Küste der Marfa-Halbinsel
Die Lagune lässt sich gut mit der rauen Küstenlandschaft ringsum zu einem halbtägigen Ausflug kombinieren.
Das geologische Blasloch im Nordosten
Nur wenige Meter nordöstlich des Hauptkraterrands liegt ein verstecktes geologisches Phänomen. Ein tiefer Felsspalt verbindet sich mit der Meereshöhle darunter und funktioniert wie ein natürliches Druckventil. Wenn die Gezeiten stark gegen das Küstenriff drücken, bricht dieses Blasloch auf und schleudert einen kalten Meerwasserschleier hoch in die Luft. Halten Sie die Kamera bereit, aber treten Sie zurück - die umliegenden Felsen sind notorisch glitschig.
Wanderung zur Slug's Bay und zur Kapelle der Unbefleckten Empfängnis
Nach der Lagune bietet das L-Ahrax-Kap ausgezeichnete, ursprüngliche Küstenwanderwege. Folgen Sie den Feldwegen südwärts zur Slug's Bay, einer winzigen, abgeschiedenen Felsbucht - ideal für eine ruhige Rast abseits der Massen. Die nahe gelegene Kapelle der Unbefleckten Empfängnis bietet einen guten Aussichtspunkt über den Kanal in Richtung Comino und Gozo. Planen Sie Ihre Runde für den späten Vormittag, wenn die Sonne von oben das Wasser im hellsten Türkis leuchten lässt und die Felsplatten trocken genug sind, um sicher darüber zu klettern.
Schulterzeit-Tipp: September und Oktober sind ideal - das Wasser ist noch warm, aber deutlich weniger Besucher sind unterwegs. Für Paare, die Abgeschiedenheit suchen, oder aktive Reisende, die sich mit felsigem Einstieg wohlfühlen, ist dies die beste Reisezeit. Familien mit kleinen Kindern sollten beachten: Es gibt hier keinen Sandstrand und der Einstieg ins Wasser ist anspruchsvoll. Die Armier Bay liegt nur 5 Autominuten entfernt und bietet mehr Einrichtungen.



