Wer die weißen Sandstrände der Blue Lagoon betreten möchte, braucht heute mehr als ein Fährticket. Ohne den inzwischen verpflichtenden Natura-2000-Zugangspass wird man direkt am Steg abgewiesen. Ab Mittag verwandeln die Massen diese kristallklare Bucht in ein stressiges Gedränge aus Liegestühlen und Sonnenschirmen. Wer die türkisfarbenen Gewässer in Ruhe genießen will, muss die Abfahrtszeiten der Fähren kennen und früh aufbrechen.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
- Lage: Insel Comino, zwischen Malta und Gozo.
- Zugangsregel: Ein kostenloser, vorab gebuchter Natura-2000-Zugangspass ist Pflicht.
- Günstigste Route: Lokalfähre ab Cirkewwa (Malta) oder Mgarr (Gozo) für rund 14 bis 15 Euro.
- Ruhige Zeitfenster: Vor 09:15 Uhr oder nach 17:00 Uhr.
- Einrichtungen vor Ort: Schließfächer, öffentliche Toiletten, Food Trucks und Liegestuhlverleih.
Der verpflichtende Natura-2000-Zugangspass
Die Blue Lagoon ist ein streng geschütztes Natura-2000-Gebiet, weshalb die Behörden den täglichen Besucherzustrom inzwischen begrenzen. Seit Mai 2025 ist ein kostenloser, vorab gebuchter Zugangspass Pflicht, um den Sand oder die Felsen zu betreten. Das Personal scannt den QR-Code direkt beim Aussteigen aus der Fähre und überreicht anschließend ein Armband.
Der Pass wird über blcomino.com gebucht und gilt für ein Vier-Stunden-Zeitfenster. Zur Auswahl stehen ein Morgenslot von 08:00 bis 13:00 Uhr, ein Nachmittagsslot von 13:30 bis 17:30 Uhr oder ein Sonnenuntergangslot von 18:00 bis 22:00 Uhr. Wer ausschließlich auf einem Tagesausflugkatamaran bleibt und vom Deck aus ins Wasser springt, benötigt den Pass nicht.
In der Hochsaison, also Juli und August, sollte der Slot mindestens drei Tage im Voraus gebucht werden. Wer länger als vier Stunden bleiben möchte, bucht einfach zwei aufeinanderfolgende Zeitfenster.

Anreise nach Comino: Fähre oder organisierte Bootstouren
Wie man den Kanal überquert, bestimmt den gesamten Ablauf des Tages auf der Insel. Die schnellen Lokalfähren ermöglichen frühe Ankunft, ein Ganztagesausflug auf einem Kreuzfahrtschiff bietet dagegen entspanntes Bord-Leben. Die Wahl hängt meist vom Budget ab und davon, wie früh man die fast leeren Gewässer fotografieren möchte.
Lokalfähre ab Cirkewwa
Die Buslinien 41 und 42 fahren direkt von Valletta zum Fährterminal Cirkewwa an der Nordspitze Maltas. Von dort verkehren unabhängige Betreiber im Hochbetrieb alle rund 30 Minuten Schnellboote zur Insel. Ein Hin- und Rückfahrtticket kostet rund 15 Euro für Erwachsene und 7 Euro für Kinder.
Wer eine der ersten Abfahrten gegen 08:40 Uhr erwischt, hat einen klaren Vorteil gegenüber den großen Touristen-Katamaranen. Die Überfahrt dauert nur 25 Minuten und setzt einen direkt am Rand der Lagune ab. Die meisten Tickets beinhalten auch eine kurze Rundfahrt an den Meereshöhlen und dem Elephant Rock vorbei.
Fähre ab Gozo (Hafen Mgarr)
Wer seinen Aufenthalt auf Gozo plant, hat einen echten logistischen Vorteil. Die Überfahrt ab Hafen Mgarr ist kürzer und oft etwas günstiger, sie kostet zwischen 10 und 15 Euro. Die Betreiber überqueren den Kanal zügig und fügen häufig einen kurzen Abstecher an den Meereshöhlen ein.
Gozo empfängt naturgemäß weniger Touristen als die Hauptinsel, weshalb die Morgenabfahrten ab Mgarr deutlich ruhiger sind und fast immer einen bequemen Sitzplatz bieten. Wer einen zusätzlichen Tag einplant, kann die prähistorischen Ggantija-Tempel besichtigen, die nur eine kurze Fahrt vom Hafen entfernt liegen und sich hervorragend mit einem Comino-Ausflug verbinden lassen.
Organisierte Tagestouren ab Sliema oder Bugibba
Wer die Busfahrt nach Cirkewwa umgehen möchte, bucht einen Katamaran ab Sliema Ferries oder Bugibba Jetty. Diese Ganztagsausflüge kosten je nach Extras wie offener Bar oder Buffet-Mittagessen ab etwa 35 Euro in Sliema bis rund 60 Euro in Bugibba. Dafür bekommt man garantierten Liegeplatz auf dem Deck und einen Aufenthalt von etwa 3,5 bis 4 Stunden an der Lagune. Blue-Lagoon-Tour buchen bietet einen aktuellen Überblick über Abfahrten und Leistungen.
Der große Nachteil dieser Option ist die Ankunftszeit. Die großen Boote legen genau in den Stoßzeiten an und setzen die Passagiere mitten in das mittägliche Gedränge ab.
Privates Boot für Gruppen mieten
Für Familien oder befreundete Gruppen lohnt sich das Aufteilen der Kosten für einen privaten Charter erheblich. Halbtages-Chartertouren ermöglichen die Selbstgestaltung des Programms abseits der typischen Touristenpfade. Man kann zunächst bei der deutlich ruhigeren Crystal Lagoon ankern und die Blue Lagoon dann nach eigenem Zeitplan ansteuern.
Der direkte Einstieg vom eigenen Boot aus erspart das Gedränge an der Küste. Die Preise variieren je nach Anbieter und Gruppengröße erheblich, daher lohnt es sich, vorab ein Angebot einzuholen.
Wann die Lagune noch ruhig ist
Wer um 11:00 Uhr ankommt, erlebt garantiert eine stressige Situation. Die schmalen, felsigen Ufer füllen sich vollständig, und kaum noch Platz bleibt für ein Handtuch oder eine Tasche. Wer das berühmte Foto mit türkisblauem Wasser ohne Menschenmassen möchte, muss die erste Fähre nehmen und bis 09:00 Uhr vor Ort sein.
Dieser frühe Start sichert ein solides Zeitfenster von etwa 45 Minuten nahezu ungestörter Ruhe, bevor die großen Touranbieter anlegen. Nach 17:00 Uhr ist die zweite starke Option: Das Abendlicht ist golden, kaum Boote sind zu sehen, und die Temperaturen sind deutlich angenehmer.
Für deutsche Reisende lohnt sich auch ein Blick auf die Schulferien: In den bayerischen und anderen süddeutschen Sommerferien (meist Anfang August bis Mitte September) ist die Lagune besonders stark besucht. Wer hingegen in der Schulterzeit im Mai, Juni oder Oktober reist, findet die Blue Lagoon deutlich ruhiger.

Einrichtungen an der Blue Lagoon: Schließfächer, Food Trucks und Toiletten
Comino ist nahezu unbewohnt, doch der unmittelbare Lagunenbereich ist stark kommerziell erschlossen. Eine Reihe lautstarker Food Trucks verkauft Burger, Wraps und die bekannten Ananas-Cocktails direkt über dem Hauptbadebereich. Öffentliche Toiletten und einfache Duschgelegenheiten befinden sich etwas oberhalb der Anlegezone.
Das Mieten eines Schließfachs für wenige Euro ist unbedingt empfehlenswert, um Handy und Geldbörse beim Schwimmen zu sichern. Liegestühle und Sonnenschirme sind teuer und oft schon bis 10:00 Uhr vergriffen, daher lohnt es sich, früh zu reservieren. Richtige Geschäfte gibt es nicht, Wasser, Snacks und Sonnencreme sollte man von zu Hause mitbringen.
Wer Schnorchelausrüstung dabei haben möchte: Viele deutsche Urlauber leihen sich Schnorchel und Maske lieber schon in Sliema aus, wo die Auswahl größer und die Preise fairer sind als direkt an der Lagune.

Zur ruhigeren Seite: Cominotto und weitere Alternativen
Das Wasser direkt neben den Food Trucks verwandelt sich ab Mittag in ein chaotisches öffentliches Schwimmbecken. Wer Platz sucht, schwimmt direkt über den Kanal zum kleinen, rauen Inselchen Cominotto. Die Strömung in der Kanalmitte kann überraschend stark sein, also nur für sichere Schwimmer.
Die Felsen gegenüber der Hauptbucht bieten einen deutlich ruhigeren Platz zum Trocknen. Ein gemietetes Stand-up-Paddleboard vom Standverleih am Ufer ist eine bequemere Art, mit dem Gepäck hinüberzugelangen.
Eine weitere Geheimempfehlung ist die Santa Marija Bay auf der Nordseite Cominos. Diese weitaus ruhigere Bucht ist nur zu Fuß oder per Boot erreichbar und lockt vor allem Schnorchler und Taucher an, die das geschützte Flachwasser schätzen.

Weitere ruhige Buchten und Höhlen in der Nähe
Wenn die Hauptbucht eher einem Wasserpark als einem Naturwunder ähnelt, bieten mehrere weniger bekannte Orte rund um Comino dasselbe klare Wasser bei einem Bruchteil des Andrangs. Die meisten sind nur per Boot oder nach einem kurzen Felsweg erreichbar, was sie naturgemäß ruhig hält.
L-Imriek liegt 10 bis 15 Gehminuten von der Hauptbucht entfernt und tauscht die Hundertschaften der Blue Lagoon gegen ein paar Dutzend Besucher ein. Es ist einer der wenigen ruhigeren Orte, die man zu Fuß erreichen kann, und die öffentlichen Toiletten sind etwa fünf Minuten entfernt. Festes Schuhwerk ist Pflicht, da der Weg über die Felsen uneben ist.
Crystal Lagoon, lokal als Il-Bejta tal-Fenek (das Kaninchennest) bekannt, ist ein kleineres, tieferes Becken, das große Fähren nicht befahren können, weshalb es deutlich ruhiger bleibt als die Blue Lagoon. Außer einem kleinen Anlegesteg gibt es hier nichts, man springt direkt vom Boot oder den Felsen ins Wasser. Das Schnorcheln über Fische und in eine kleine Höhle hinein ist ausgezeichnet. Achtung: Tourenboote sammeln sich vor dem Eingang, weshalb man mit Motorabgasen rechnen und auf scharfe Felsen achten muss. Am einfachsten ist es, ein kleines Boot zu mieten und sich hierher zu begeben, sobald die Blue Lagoon zu voll wird.

Die Deckenlose Höhle, auf lokalen Karten als L-Għar ta' Bla Saqaf und auch It-Tieqa (das Fenster) bezeichnet, ist ein oben offener Höhlenraum mit natürlichem Felsbogen und Wasser in leuchtenden Blautönen. Tourenboote halten hier an, sodass man hineinspringen und schwimmen kann. Zum Klippenrand oben gelangt man auch zu Fuß und kann dort fotografieren. Eine Taucherbrille ist sinnvoll, da die Felsformationen unter Wasser genauso eindrucksvoll sind wie darüber.
L-Iskoll ta' Taħt il-Mazz ist ein Offshore-Felsen mit tiefem, aber glaskarem Wasser und ausgehöhlten Höhlen, ein beliebter Schnorchelstopp. Ein Wassertaxi dorthin kostet rund 15 Euro pro Person und umrundet meist auch die nahen Höhlen. Wer schnorchelt, sollte dies vor 9:00 Uhr oder nach 19:00 Uhr tun, um den Bootsverkehr zu vermeiden, und eine Sicherheitsboje mitführen, da Boote direkt darüber fahren.



