Das Booby Pond Nature Reserve auf Little Cayman gilt unter erfahrenen Vogelbeobachtern als der beste Standort für Küsten- und Seevogelbeobachtung in der gesamten Karibik. Wer die Aussichtsplattform gegen Mittag betritt, trifft auf harte Schattenkontraste und wenig Bewegung im Wasser. Kommen Sie am späten Nachmittag, wenn Tausende von Rotfußtölpeln vom offenen Atlantik zurückkehren, verwandelt sich die gesamte Lagune in ein lautes, beeindruckendes Schauspiel. Der Eintritt ist kostenlos, die Anlage das ganze Jahr geöffnet, und vom nächsten Resort aus ist das Schutzgebiet bequem mit dem Fahrrad erreichbar.
Warum Booby Pond ein internationales Ramsar-Schutzgebiet ist
Die 340 Acre große Salzwasserlagune liegt hinter einem dichten Mangrovelgürtel und wird von altem Trockenwald flankiert. Seit 1994 trägt sie den Status eines Feuchtgebiets von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention, eine Auszeichnung, die nur Gebieten mit nachgewiesener globaler ökologischer Bedeutung verliehen wird.
340 Acres geschützter Lagune halten ein delikates Gleichgewicht aufrecht: schlammlebende Wirbellose, saisonale Wasserinsekten und die Massenpopulationen von Wasservögeln, die von ihnen abhängen. Im Norden der Lagune gibt es einzigartige Süßwasserquellen, die durch das brackige Wasser nach oben drücken. Diese Quellen bilden in der Trockenzeit einen wichtigen Rückzugsort für Teichfische und ziehen spezialisierte Enten an.
Das gesamte Schutzgebiet steht unter dem lokalen Tierschutzrecht. Jede Störung von Tier- oder Pflanzenleben innerhalb der Grenzen ist streng verboten, was deutschen Vogelbeobachtern besonders wichtig zu wissen ist: Denken Sie daran, dass die Stille auf der Plattform keine Bitte, sondern Pflicht ist.
Welche Tiere Sie beobachten werden
Die 4.000 Rotfußtölpel
Das Booby Pond ist das einzige Brutgebiet des Rotfußtölpels (Sula sula) im gesamten Cayman-Territorium. Die ansässige Kolonie umfasst rund 4.000 Tiere und stellt damit eine der größten Rotfußtölpel-Populationen der Region dar. Schätzungen zufolge repräsentiert diese Kolonie mindestens ein Drittel der gesamten karibischen und atlantischen Population dieser Art.
Was sie in der Luft präzise und schnell macht, an Land wirkt es fast komisch: Ihre Landungen auf dem Mangrove-Blätterdach sind unelegant und lautstark. Das scharfe Gegenteil zur Jagd über dem offenen Ozean, wo sie mit hoher Geschwindigkeit ins Wasser stoßen.

Prachtfregattvögel
Im selben Luftraum nistet eine wachsende Kolonie von Prachtfregattvögeln (Fregata magnificens), hauptsächlich im nördlichen Waldrand der Lagune. Die Männchen sind leicht an ihren scharlachroten, aufgeblasenen Kehlsäcken zu erkennen, die sie während der Balzzeit wie Ballons aufblasen.
Ihre Hauptstrategie zur Nahrungsbeschaffung auf dem Festland ist aggressive Luftpiraterie: Sie verfolgen und belästigen zurückkehrende Tölpel, bis diese ihren frisch gefangenen Fisch fallen lassen. Prachtfregattvögel können nicht auf dem Wasser landen und sind vollständig auf diese Kleptoparasitismus-Taktik angewiesen, wenn sie an Land sind.

Schwesterinseln-Felsenleguan und weitere Arten
Der trockene Landstreifen rund um die Lagune ist Heimat des endemischen Schwesterinseln-Felsenleguans (Cyclura nubila caymanensis). Diese großen, prähistorisch wirkenden Reptilien sonnen sich häufig auf den Wegen und im Schatten alter einheimischer Bäume. Der Leguan kommt nirgendwo sonst auf der Erde vor und ist ein ebenso wichtiges Schutzsubjekt wie die Vögel über ihm.
An den Flachwasserzonen stehen Schwarzhalsstelzen, daneben Reiher, Silberreiher und die schwer fassbare Westindische Pfeifente. Die frühen Morgenstunden gehören ihnen, bevor die Hitze die Aktivität auf ein Minimum reduziert.

Das National Trust Besucherzentrum und die Aussichtsplattform
Das Gladys Howard National Trust House beherbergt die lokale Geschäftsstelle des National Trust. Das Gebäude ist im traditionellen Caymanian-Stil erbaut, die Atmosphäre ruhig und auf Naturschutz fokussiert. Die angebaute erhöhte Plattform bietet einen ungehinderten Panoramablick über die gesamte Lagune bis zu den Brutbäumen am nördlichen Rand.
Auf der Plattform stehen Fernrohre zur freien Nutzung bereit: zwei Einheiten auf der unteren Ebene, eine auf der oberen. Sie bringen die entfernten Nistbäume direkt vor Ihre Augen. Im Gebäude erklären historische Exponate und detaillierte Tierwelt-Displays das ökologische Gleichgewicht des Reservats. Ein kleiner Souvenirladen unterstützt finanziell die Schutzmaßnahmen.

Wer seinen Besuch auf Little Cayman mit den anderen Cayman-Inseln verbinden möchte: Auf unserer Seite zur besten Reisezeit für die Kaiman-Inseln finden Sie alle saisonalen Planungshilfen.
Beste Besuchszeit: Wann sind die Vögel am aktivsten?
November bis Juni ist die optimale Saison, da die Tiere in dieser Zeit ihren Nachwuchs aufziehen. Die frühen Morgenstunden bieten weiches Licht und angenehme Temperaturen, den absoluten Aktivitätshöhepunkt liefert aber die Stunde vor Sonnenuntergang: Dann kehren die Tölpel massenweise von ihren Jagdausflügen zurück und lösen im Mangrovendach laute Revierkämpfe aus.
Für die Vogelfotografie ist ein lichtstarkes Teleobjektiv unverzichtbar. Der Abstand von der öffentlichen Plattform zu den Hauptnistbäumen erfordert erhebliche optische Reichweite. Mindestens 400 mm Brennweite (Kleinbildäquivalent) gelten als Untergrenze für scharfe Detailaufnahmen der Vögel im Flug. Beim Reisen in die Trockenzeit zwischen Dezember und April sind die Wetterbedingungen stabiler, was die Fotoergebnisse verbessert.
Anreise: So kommen Sie zum Booby Pond Nature Reserve
Little Cayman ist durch seine geringe Ausdehnung ungewöhnlich leicht zu navigieren. Das Reservat liegt zentral an der Südküste, unmittelbar hinter der Hauptküstenstraße, und ist von allen großen Küstenunterkünften auf der Insel bequem erreichbar.
Mit dem Fahrrad ist die Anreise einfach, da das völlig flache Terrain auch ungeübten Radfahrern keine Schwierigkeiten bereitet. Der Eingang ist deutlich an der Hauptküstenstraße ausgeschildert. Wer im Little Cayman Beach Resort wohnt, erreicht das Reservat zu Fuß in etwa fünf Minuten.
Eine Tagestour von Grand Cayman nach Little Cayman ist zwar möglich, aber aufwendig. Die kleinen Flüge zwischen den Inseln dauern rund 35 Minuten. Wer das Booby Pond wirklich erleben möchte, plant besser mindestens eine Übernachtung auf Little Cayman ein.
Was Sie mitbringen sollten
Die Kombination aus Mangrovenumgebung und tropischen Temperaturen erfordert eine sorgfältige Ausrüstungsplanung.
Insektenschutzmittel: Die Mangroven-Ränder beherbergen dichte Insektenpopulationen, besonders nach kurzen Regenschauern. Tragen Sie ein starkes Mittel vor dem Betreten der offenen Plattform auf, besonders in der Dämmerung.
Fernglas: Die festmontierten Fernrohre auf der Plattform sind praktisch, erlauben aber keinen schnellen Schwenk auf schnell fliegende Fregattvögel. Ein eigenes Fernglas mit 10-facher Vergrößerung wird von Stammbesuchern empfohlen. Wer ohne eigenes Fernglas reist, findet in unserer Packliste für die Kaiman-Inseln einen vollständigen Überblick der empfehlenswerten Ausrüstung.
Teleobjektiv: Für ernsthafte Vogelfotos gilt 400 mm als Minimum. Weitwinkel ist für die Landschaftsaufnahmen der Lagune sehr schön, für die Vögel auf Distanz aber unzureichend.
Polarisationsfilter: Der Blendglanz der Salzwasserlagune in den Mittagsstunden ist intensiv. Polarisierte Gläser schneiden die Reflexion und helfen, Fischbewegungen unter der Oberfläche zu erkennen.
Leichte, erdfarbene Kleidung: Helle oder grelle Farben können Tiere auf kurze Distanz aufschrecken. Vogelbeobachter bevorzugen grundsätzlich gedeckte Töne, besonders wenn sie die Wege nahe der Iguana-Zonen begehen.
Wer neben der Vogelbeobachtung auch die Unterwasserwelt der Kaiman-Inseln erkunden möchte: Die besten Tauchplätze sind in unserem Tauchen auf den Kaiman-Inseln ausführlich beschrieben.



